Ein Jahr ohne Coffini.

Ein Jahr ist vergangen seit dieses Drama über uns hereinbrach. Wo stehe ich, wo stehen wir heute?

Die Trauer um das, was wir verloren haben, ist weiterhin wie ein leiser Ton in mir, für mich fast immer spürbar, sein plötzlicher Tod ist ein Kapitel unseres Lebens, welches uns noch lange begleiten wird. Das er völlig unerwartet starb war schon kaum zu ertragen, aber, zusätzlich noch keine Antworten zu haben, wirkt nach und hat viel verändert. Langsam lichtet sich aber das Gedankenkarussell, die Kraft kommt zurück und auch Lachen und Lebensfreude haben wieder ihren Raum. Anders trotzdem, denn sein spezieller Platz wird wohl für immer verwaist bleiben, er fehlt.

Oh man, dieser kleine, liebe Kerl hat mein Leben wirklich auf den Kopf gestellt, im Leben wie im Sterben – so viel Glück, so viel Liebe, so viel Vertrauen und Stolz – und dann so viele Tränen, Verzweiflung, Fassungslosigkeit und pures Entsetzen.
Was hätten wir gegeben für ein paar Jahre mehr. Aber es sollte anders kommen, das Leben ist eben doch nur begrenzt planbar. Wer mir am Morgen des 18.12.2017 erzählt hätte, dass sich abends das Schicksal von Coffini entscheiden würde, ich hätte es nicht geglaubt. Und das bei ihm, den ich gehütet habe wie einen Schatz, das ihm bloß nichts passiert. Und, dann das. Welch‘ eine Ironie des Schicksals.

So hat er mit seinem Tod vieles in unserem Leben auf Null gesetzt, ich bin gezwungen worden, mich mit Dingen auseinander zu setzen, auf die ich gerne verzichtet hätte, vieles hat sich verändert, vieles auch geklärt und manches Verschüttete hoch geholt. Geblieben ist mehr Klarheit und auch Ruhe, meistens jedenfalls. Und die Gewißheit, dass es so wichtig ist, die besonderen Momente wahrzunehmen, sie zu genießen und zu bewahren. Und für seine Lieben, sich selbst und das Leben zu kämpfen, nicht aufzugeben und sich Ziele zu setzen, auch, wenn es einen gleichzeitig fast unerträglich bergab zieht.

Ich habe viel gelernt in dieser Zeit, auch viele Facetten von Menschlichkeit neu erlebt.  So viel Mitgefühl, ehrlich, unverblümt und menschlich ganz nah. Es gab die berühmten Felsen in der Brandung, die immer da waren, wenn der Schmerz mich mal wieder überrollte und, die mir von ihrer Kraft abgaben. Überraschende Momente erlebt, in denen mir ohne viele Worte die Hand gereicht wurde, neue Freundschaften sind entstanden aus diesen Momenten. So wertvoll.

Menschen, die mir nahe stehen oder die, die sich ein Herz fassten und auf mich zukamen, die haben so viel Gutes bewirkt. Denen danke ich heute noch, denn sie haben wirklich Größe und ganz viel Gefühl gezeigt.

Warum gab es nie eine öffentliche Schilderung dessen, was passiert ist?

Weil wir es so entschieden haben. Ich habe damit nicht nur uns davor geschützt emotional immer wieder einzusteigen in diese furchtbaren Bilder, sondern auch die Menschen, die direkt beteiligt waren. Ob es mir geglückt ist sei mal so dahingestellt, heute fällt auch vieles leichter, kann ich darüber sprechen, aber es ist und bleibt ein sehr privates Thema.

Mittlerweile kann ich unser „neues“ Leben auch als neuen Anfang sehen, der es ja wirklich auch war  – da ist wohl einmal richtig die Platte geputzt worden, nicht nur, aber auch durch den Tod von Coffini. Jetzt sind wir endlich in diesem „neuen“ Leben auch angekommen.

Coffini lebt in seinem einzigen Sohn und seinen Töchtern ein Stück weiter, welch‘ eine Fügung des Schicksals. Sie werden am 19.12.2018 ein Jahr alt.

Dee ist so eindeutig ein Coffini-Sohn, er wird ihm immer ähnlicher, je erwachsener er wird. Er hat mir über die schwere Zeit oft hinweg geholfen und seinen Teil dazu beigetragen, mich in diese neue Zeit mitzunehmen. Stillstand und Abwarten sind so gar nicht seins; deshalb kommst Du mit oder es funzt nicht. :-)) Er ist keine Kopie von Coffini, und, das ist auch gut so. Er ist so ganz anders und doch wieder so wie er. Er hat seine Augen. Und manchmal denke ich, so im Augenwinkel, da läuft Coffini. So ähnlich und doch wieder nicht. Unsere Beziehung hatte einen vollkommen anderen Start, das dürfte jedem klar sein. Er mußte viel tragen, der kleine Kerl, ohne es zu wissen. Glücklicherweise ist er ein wirklicher Gute-Laune-Bär, den so schnell nichts aus der Fassung bringt, so viel Lebensfreude und ungezügelte Kraft, die in ihm steckt, das reicht für zwei Hunde. Wenn der Kerl mal wieder alles vor lauter Begeisterung übern Haufen gerannt hat, kann ich es selbst kaum glauben, wie unfaßbar viel Energie in dem Dee´chen steckt, wir hatten wohl nie einen „stürmischeren“ Wicht. Dee und ich haben uns gefunden, das kann man wirklich sagen.

Die kleine Schwester Doris, seine damals schon engste Kumpeline lebt hier ganz in der Nähe, wird auch im Agi ausgebildet und macht sich sehr, sehr gut. Es ist für mich eine Freude zu sehen, was für einen tollen Charakter seine Kinder haben. Arbeitsfreudig und offen zeigen sie sich freundlich zu Menschen und anderen Hunden sind sie, immer gut drauf und haben ein Grinsen im Gesicht. In ihnen sehe ich viel von meinem Coffini.

Was für immer bleibt ist die grenzenlose Liebe zu diesem besonderen Hund. Er hat mein Leben, unser Leben verändert.


P.s. Und dieses Bild im Header ist ein Bild aus Österreich. An diesem Ort – also so ca. 500 mtr. entfernt – wurde Coffini gezeugt. Ein wunderbarer Moment in unserem Leben – mit wunderbaren Menschen und einem tollen Fellini und einer jungen Coffee.